Joomla oder WordPress – Welches CMS ist für mich geeignet?

Webdesign und Webprogrammierung für Freiberufler und UnternehmenJoomla oder WorPress, das ist für mich weniger eine Frage der persönlichen Vorlieben, als vielmehr eine Frage der Ansprüche die an ein Content Management System im Web gestellt werden. Und diese sind nun einmal von Unternehmen zu Unternehmen, von Anwender zu Anwender unterschiedlich.

Wer sich heute neu für ein System entscheidet und es nicht selbst einrichten kann, nimmt häufig die Hilfe eines Webentwicklers oder einer Agentur in Anspruch. Das ist für einen professionellen Auftritt zu raten, es gibt genügend schlecht gemachte Hobbysites (aber auch sehr gute). Und beileibe nicht jede professionell erstellte Website ist wirklich gelungen. Nun hat wohl jede Agentur und jeder freie Webentwickler seine ganz persönlichen Präferenzen hinsichtlich des CMS, das er dem Kunden empfiehlt. Und diese persönlichen Präferenzen müssen beileibe nicht mit dem Ansinnen des Kunden bestmöglich kompatibel sein. Es macht also Sinn, wenn man sich mit der Wahl eines CMS beschäftigt, auch dann einige Informationen zu kennen, wenn das System professionell eingerichtet werden soll. Mitunter ist nämlich die Empfehlung der Agentur oder des Entwicklers nur die zweitbeste von zwei Möglichkeiten.

Tipp: Fragen Sie Ihren Dienstleister nach Referenzen und den dabei verwendeten CMS. In der Regel werden dabei Typo3, Joomla und WordPress wohl am häufigsten genannt werden. Typo3, das Flaggschiff unter den CMS, ist allerdings vor allem für sehr große, professionelle Websites zu empfehlen, für kleinere und mittlere Sites ist es eher überdimensioniert. Bleibt also für kleine oder mittlere Sites Joomla oder WordPress, Drupal und andere lasse ich an dieser Stelle außen vor.

  1. Installation
    Bei der Installation von WordPress und Joomla konnte ich keine großen Unterschiede feststellen. Datenbank einrichten und die automatische Installation in Schritten durchlaufen lassen, dabei die erforderlichen Eingaben machen, fertig. Sowohl lokal auf einem Testsystem als auch auf einem Webserver sind bei beiden Systemen wenige Komplikationen zu erwarten, die sich zudem leicht beheben lassen.
    Einen großen Unterschied sehe ich jedoch zwischen den beiden Systemen: Von Joomla bin ich gewohnt, immer zunächst eine lokale Version auf einem meiner Testserver im Heimnetz zu erstellen und diese erst nach Freigabe auf dem Webserver zu implementieren. Das ist ein sehr einfacher und unkomplizierter Prozess. Nicht so bei WordPress, hier finden sich, wenn man viele Plugins installieren will, zu viele Datenbankeinträge und zu viele Dateieinträge mit der fest codierten URL, ohne ein zusätzliches Plugin ist die Migration von einem lokalen Testsystem auf ein Produktivsystem nahezu nicht zu bewältigen. Eine klare Schwäche des Systems.
  2. Erste Schritte im Backend
    Das Backend von Joomla bietet schon auf den ersten Blick deutlich mehr Möglichkeiten als WordPress, kein Wunder, der Funktionsumfang, der bei Joomla von Anfang an mitgeliefert wird, ist ohne die zusätzliche Installation von Komponenten oder Plugins deutlich höher. Dieser Zuwachs an Komplexität wird jedoch mit dem Nachteil erkauft, dass die Einarbeitung in das Joomla-Backend insbesondere für den Superadministrator komplizierter ist, als bei WordPress.
  3. Benutzerverwaltung
    Dies spiegelt auch die Benutzerverwaltung wieder. WordPress hat im Vergleich zu Joomla eine sehr rudimentäre Benutzerverwaltung, die jedoch für kleinere Websites normalerweise ausreichen sollte. Dies gilt insbesondere für Websites, die von einer einzigen Person betreut werden. Benötigt man zu einem späteren Zeitpunkt dennoch eine verbesserte Nutzerverwaltung, beispielsweise weil zusätzliche Anforderungen entstehen, müssen Plugins helfen, den Mangel zu überwinden.
    Joomla glänzt mit einer ausgefeilten und somit gering komplizierteren Nutzerverwaltung, die es jedoch auch in der Standardinstallation ohne zusätzliche Komponenten bereits ermöglicht, neue Nutzergruppen mit differenzierten Rechten anzulegen und zu verwalten. Selbst Nutzergruppen, die nur eine einzige Komponente nutzen dürfen, sind möglich. Joomla eignet sich also insbesondere für Einsatzzwecke mit mehreren Personen im Team und abgestuften Rechten. Für Vereine und Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern wäre Joomla schon aufgrund der Benutzerverwaltung für mich die bevorzugte Wahl, ich habe allerdings noch keine WordPress Plugins zum Aufbohren der Nutzerverwaltung getestet, so dass ich dieses Urteil eventuell noch revidieren muss.
  4. Templates oder Themes finden und einrichten
    Bei Joomla heißen die Designvorlagen zum Ändern des Designs der Website Templates, bei WordPress Themes. Für beide Systeme gibt es eine nahezu unüberschaubare Menge an kostenfreien wie kostenpflichtigen Templates/Themes, so dass es möglich sein sollte, ein geeignetes Kleid für die Site zu finden. Was mir persönlich bei WordPress gut gefallen hat, ist die ausgesprochen einfache Art und Weise, wie ein Standardtheme an die individuellen Bedürfnisse mit Hilfe eines Childthemes angepasst werden kann. Das ist bei Joomla Templates zwar auch machbar, aber leicht komplizierter.
  5. Medien verwalten
    Die Verwaltung von Medien, insbesondere von Fotos und Grafiken, ist bei Joomla und WordPress deutlich unterschiedlich. Während es bei Joomla ausreicht, einfach die Bilder und Grafiken in den dafür vorgesehenen Ordner zu laden, zwingt WordPress dazu, die Uploadfunktion der Mediathek zu nutzen. Werden Dateien einfach nur im passenden Ordner per SFTP abgelegt, werden diese nicht einmal angezeigt. Das hat die praktische Konsequenz, dass immer dann, wenn dem Autor einfällt, er möchte in seinen Beitrag noch ein Foto oder eine Grafik einfügen, er den Beitrag speichern und verlassen muss, um die Mediathek und den Dateiupload darin aufzurufen. Was auf den ersten Blick wie eine unnötige Schikane des Autors aussehen mag, hat auf den zweiten Blick einen immensen Vorteil. Beim Upload eines Fotos oder einer Grafik werden nämlich unterschiedliche Dateien des gleichen Bildes in verschiedenen Größen erstellt und, beim Einfügen in einen Beitrag oder eine Seite bei WordPress, gleich in unterschiedlichen Formaten und Dateigrößen angeboten. Das manuelle Verkleinern von Bildern und Dateien, bei Joomla ohne zusätzliche Plugins oder Komponenten erforderlich, entfällt. Der Zeitverlust beim ständigen Wechsel in die Mediathek wird so mehr als ausgeglichen.
  6. Seiten/Beiträge erstellen
    Die unterschiedliche Herkunft beider CMS wird beim Erstellen von Beiträgen und Seiten am deutlichsten sichtbar. WordPress, ursprünglich als einfaches Blogsystem entwickelt, hat später CMS Fähigkeiten hinzubekommen, Joomla war von Anfang an ein CMS und wurde um Blogfähigkeiten erweitert. Heute kann man mit beiden Systemen sowohl bloggen, als auch das System als CMS ohne Blogfunktion nutzen. Ich persönlich finde die Erstellung von Seiten und Beiträgen (für Blogs) bei WordPress etwas simpler gelöst, die Einarbeitungszeit dürfte etwas kürzer ausfallen, als bei Joomla. Aber dieser Unterschied ist zunächst für mich rudimentär, beide Systeme sind relativ leicht zu erlernen, soweit es um das Erstellen von Inhalten geht. Ein großes Plus verzeichnet WordPress bei der Verwaltung von Dateien. Wird ein Beitrag erstellt und ein Foto oder eine Grafik eingefügt, dann bietet WordPress automatisch verschiedene Alternativen in verschiedenen Auflösungen an.
  7. Menüs erstellen und verwalten
    Einfache Menüs mit nicht zu vielen Ebenen, Punkten und Unterpunkten, sind in WordPress in der Standardinstallation leicht zu erstellen. Das wird bedeutend unangenehmer, wenn viele Beiträge oder Seiten existieren, die in das Menü eingebunden werden sollen. Ab einer bestimmten Größe wird die grafische Oberfläche dann doch sehr unhandlich.
    Hier spielt Joomla eine seiner Stärken aus, auch komplexe Menüs mit unterschiedlichen Funktionen sind außerordentlich einfach zu erstellen und verwalten. Zwar ist der Aufwand, sich in die Gestaltung von Menüs einzuarbeiten etwas größer, dafür aber ist die spätere Verwaltung um so leichter, zumal man bei Joomla, im Unterschied zu WordPress, die Seite mit der Erstellung des aktuellen Beitrags nicht einmal verlassen muss, um eine Seite an der richtigen Stelle in das Menü einzufügen. Je komplexer die Anforderungen an die Menüführung sind, um so eher würde ich zu Joomla raten.
  8. Plugins und Komponenten installieren
    Bei Joomla wird zwischen Modulen und Plugins unterschieden, bei WordPress gibt es nur Plugins. Bei beiden Systemen ist, ähnlich wie beim Design, das Angebot an kostenfreien wie kostenpflichtigen Programmbestandteilen nahezu riesig und damit auch leicht unübersichtlich. Die Installation und Aktivierung ist bei beiden Systemen relativ leicht zu bewerkstelligen, hier sehe ich keine großen Unterschiede.
  9. Wartung und Aktualisierung
    Wartung und der Aktualisierung der Website sind bei beiden Systemen relativ unkompliziert, allerdings bietet WordPress ein automatisches Update bei sicherheitskritischen Lücken an. Das Update an sich ist bei beiden Systemen ähnlich leicht zu bewerkstelligen, allerdings teste ich meine Joomla Installationen immer zuvor auf einem lokalen Testsystem, bevor ich das Update im Produktivsystem einspiele. Damit lassen sich mögliche Konflikte erkennen, ohne dass gleich der Produktivbetrieb in Mitleidenschaft gezogen wird.

Fazit: Beide Systeme haben ihre jeweils spezifischen Vor- und Nachteile. Bei kleineren Präsenzen mit vergleichsweise unkomplizierter Menüführung, ohne höhere Anforderungen an die Benutzer- und Rechteverwaltung, würde ich normalerweise eher WordPress empfehlen, sind diese Punkte, oder auch nur einer davon, nicht gegeben, ist der Einsatz von Joomla anzuraten. Aber das ist nun wirklich in jedem Einzelfall zu prüfen.